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Bäuerliche Betriebe brauchen mehr Sicherheit bei Planung ihrer Zukunft

Tierhaltung, Düngung, Umweltschutz: Landwirtschaftskammer Niedersachsen will Reformen weiter unterstützen und wünscht sich noch mehr Rückenwind von der Politik – Kammerversammlung in Oldenburg


Oldenburg – Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) hat ihre volle Unterstützung bei den im Agrar-Bundesland Nummer eins angestoßenen Reformprozessen in der Landwirtschaft bekräftigt, wünscht sich jedoch von der Landes- wie von der Bundesregierung zügigere Entscheidungen, damit die bäuerlichen Familienbetriebe verlässlich für die Zukunft planen können. 

„Wir wissen um die Komplexität der Vorschriften etwa für das Bauen und für die Landwirtschaft in Deutschland und in Europa. Gleichwohl hoffen wir weiterhin auf einen großen Wurf – eben nicht nur im Sauenstall, sondern auch in der Politik“, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje am Donnerstag (20.11.2025) auf der Kammerversammlung der LWK in Oldenburg mit Blick auf die in Niedersachsen bedeutsame Tierhaltung.

Starke regionale Lebens- und Futtermittelproduktion unerlässlich

Die jüngsten weltpolitischen Krisen und ihre Folgen für Erträge, Vermarktung und Preisentwicklung hätten gezeigt, dass eine starke regionale Lebens- und Futtermittelproduktion unerlässlich sei, um die Abhängigkeit von den internationalen Märkten zu verringern, fügte Schwetje vor den knapp 300 Zuhörerinnen und Zuhörern in der Weser-Ems-Halle hinzu. Für Herausforderungen wie den Abbau bürokratischer Hürden, die anstehenden Änderungen im Düngerecht und den Fortbestand der Milchvieh- und der Schweinehaltung signalisierte der Kammerpräsident Unterstützung: „Die Landwirtschaftskammer wird die politischen Gremien dabei auf Wunsch wie gewohnt eng fachlich begleiten.“ Die Kundinnen und Kunden der LWK  bräuchten den Kopf – wie auch den Schreibtisch – frei, um im Stall und auf dem Feld mit innovativen Lösungen voranzukommen.

„Niedersächsischer Weg“ in der Praxis angekommen

Die fachliche Arbeit bei der Umsetzung des 2020 geschlossenen Naturschutz-Bündnisses „Der Niedersächsische Weg“ komme zwar voran, könne aber noch mehr Rückenwind von der Landesregierung vertragen, sagte Schwetje weiter. Die Betriebe seien mit der nötigen Unterstützung bereit, ihre Arbeitsweise anzupassen: „Der ,Niedersächsische Weg’ verdeutlicht die Themenvielfalt beim Arten-, Wasser- und Naturschutz, mit der sich die praktische Landwirtschaft mittlerweile aktiv befasst. Dies ist ein deutliches Signal, dass die landwirtschaftlichen Profis die Diskussionen in der Gesellschaft wahr- und ernst nehmen.“

Staatssekretärin Breher: Faire Rahmenbedingungen für unsere Höfe

Wie die Politik die grüne Branche in Zukunft stärken möchte, veranschaulichte Gastrednerin Silvia Breher, Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: „Unser Ziel ist es, die Landwirtschaft in ihrer Vielfalt zu erhalten und zu fördern. Es muss uns gelingen, wieder mehr junge Menschen für die Landwirtschaft zu begeistern. Wir stehen vor großen Herausforderungen und müssen jetzt – gemeinsam mit der Branche – die richtigen Weichen stellen. Seit Mai haben wir bereits viel erreicht: mehr Wettbewerbsfähigkeit durch die Wiedereinführung der Agrardieselerstattung, die Betriebe wurden um mehr als 20 Millionen Euro an Bürokratiekosten entlastet, und wir stellen die fristgerechte Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sicher.“

„Wir werden weiter dafür sorgen, dass es faire Rahmenbedingungen für unsere Höfe gibt“, fuhr Staatssekretärin Breher fort. „In Brüssel setzen wir uns für eine GAP ein, die auch bei der finanziellen Ausstattung der Bedeutung unserer Landwirtschaft – und damit dem strategischen Gut der Ernährungssicherung – gerecht wird. Zudem verbessern wir den Schutz von Weidetieren vor Wölfen: Der Wolf kommt ins Jagdrecht und wir sorgen dafür, dass er rechtssicher entnommen werden kann, damit die wertvolle Weidehaltung auf unseren Deichen möglich bleibt. Und wir werden auch unsere Wälder klimastabil und leistungsfähig erhalten durch eine stabile und verlässliche Förderung für die vielen privaten und kommunalen Waldbesitzerinnen und -besitzer.“

von Garmissen: Noch mehr Transparenz bei Auftragsangelegenheiten

Was die Reform-Vorgaben der Landesregierung an die LWK angehe, so sei die Organisation auf bestem Wege, berichtete Kammerdirektor Dr. Bernd von Garmissen in seiner Ansprache vor der Kammerversammlung. Um dem Wunsch nach einer weiter verbesserten Transparenz bei den für das Land versehenen Auftragsangelegenheiten Rechnung zu tragen, habe – nach dem Beschluss der Kammerversammlung im Vorjahr – der neue Geschäftsbereich „Pflanzenschutzamt, Düngebehörde, Inspektionsdienste“ im April dieses Jahres reibungslos seine Arbeit aufgenommen. 

„Dass dieser Geschäftsbereich mit seinen vielen Anknüpfungspunkten in unserem Gesamtverbund so gut funktioniert, ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Entscheidung der Landesregierung, Pflanzenschutzamt und Inspektionsdienste nicht aus der Kammer auszugliedern, goldrichtig war“, sagte von Garmissen mit Blick auf frühere Pläne von Rot-Grün, die genannten Bereiche dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zuzuordnen. Mit seinem umfassenden Schaderreger-Monitoring liefere beispielsweise das Pflanzenschutzamt wertvolle Erkenntnisse für die Pflanzenbau-Beratung, so von Garmissen.

Anlässlich des Wechsels von Stefan Ortmann als Hauptgeschäftsführer zum Landvolk Niedersachsen bedankte sich der Kammerdirektor bei seinem bisherigen Stellvertreter für dessen langjähriges und erfolgreiches Engagement für die LWK und wünscht ihm viel Erfolg für die neue Aufgabe.

Heyens: Hauswirtschaft mit großem Entwicklungspotenzial

Die Perspektive der landesweit rund 100.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Agrarbereich stellte Kammer-Vizepräsidentin Dagmar Heyens während ihrer Rede vor dem LWK-Spitzengremium in den Mittelpunkt. Dem Beruf Hauswirtschafter/-in, der zu den zwölf von der LWK betreuten Grünen Berufen gehört, misst Heyens besonders große Entwicklungsmöglichkeiten bei: „Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege könnte die Hauswirtschaft dort eine Schlüsselrolle übernehmen, indem sie bei der häuslichen Versorgung zahlreiche nicht-pflegerische Aufgaben übernimmt“, betonte Heyens. 

Hauswirtschafter/-innen wüssten viel über Ernährung, über Hygiene und über die Organisation eines wohltuenden Alltags. Sie seien Bezugspersonen, die die seelische Gesundheit Pflegebedürftiger verbessern helfen könnten. „Hauswirtschafterinnen und Hauswirtschafter haben das Potenzial, an einer entscheidenden Schnittstelle im Versorgungssystem gut mit Pflegediensten, Therapeut/-innen und Mediziner/-innen zusammenzuwirken“, bekräftigte die Vizepräsidentin. „Die Stärkung der Hauswirtschaft ist kein Nebenaspekt – sie ist eine Investition in gesellschaftlichen Zusammenhalt, in Würde  und in die Lebensqualität von Millionen Menschen.“

Kammerbeitrag: Viel zu tun für die Verwaltung

Kammerpräsident Schwetje ging in Oldenburg weiterhin auf die Umsetzung der Reform beim Kammerbeitrag ein. Diese Abgabe, die alle Eigentümerinnen und Eigentümer land- und forstwirtschaftlich bewerteter Flächen bezahlen müssen, wird seit diesem Jahr nicht mehr von der Finanzverwaltung, sondern von der LWK selbst erhoben. „Das Fachpersonal im Geschäftsbereich Verwaltung leistet seit vielen Monaten weit mehr als das Übliche, um Fragen und Aufgaben rund um den Kammerbeitrag zügig abzuarbeiten“, hob Schwetje hervor. „Sie sorgen nicht nur dafür, dass der Zahlungsverkehr für eine der wichtigsten Einnahmequellen der Landwirtschaftskammer nachhaltig neu organisiert wird. Sie sorgen mit ihrem Einsatz für das Mitgliederkataster dafür, dass wir viel genauer als früher wissen, wer unsere Beitragspflichtigen sind.“ Geplant sind für das Haushaltsjahr Einnahmen von gut 30 Millionen Euro.

Zahlreiche Führungspositionen neu besetzt

Die Unternehmensergebnisse des zurückliegenden Wirtschaftsjahrs 2024/25 bezeichnete Schwetje als insgesamt unbefriedigend. Daneben ging er auf die umfassende personelle Erneuerung ein, die bei der LWK mit Nachdruck umgesetzt werde. Zahlreiche Führungspositionen seien im ablaufenden Jahr neu besetzt worden, und im kommenden Jahr werde die anstehenden Kammerwahl für neue Gesichter bei den ehrenamtlichen Repräsentantinnen und Repräsentanten sorgen.

Schwetje: „Mit einer passenden Mischung aus erfahrenen und jungen Menschen, mit entscheidungsfreudigen ehrenamtlichen Repräsentantinnen und Repräsentanten sowie einem bestens ausgebildeten hauptamtlichen Fachpersonal ist die Landwirtschaftskammer Niedersachsen weiterhin in der Lage, ihre Geschicke selbst zu lenken und damit an der Seite unserer Betriebe die fälligen Zukunftsfragen zu lösen – in der Landwirtschaft genauso wie in der Forstwirtschaft, im Gartenbau sowie in der Fischerei.“

Höchstes Beschlussorgan der Kammer

Die Kammerversammlung ist das höchste Beschlussorgan der LWK. Sie konstituiert sich alle sechs Jahre neu – das nächste Mal Anfang 2027. Ihre insgesamt 138 ehrenamtlichen Mitglieder sind zu zwei Dritteln landwirtschaftliche Unternehmerinnen und Unternehmer und zu einem Drittel Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Land- und Forstwirtschaft, dem Gartenbau und der Fischerei. Die Mitglieder der Kammerversammlung berufen bis zu 30 weitere Personen aus verschiedenen landwirtschaftlichen Berufsgruppen.

Auszeichnungen für Milchvieh-Profi und Gärtnerei-Team

Der Kammerversammlung geht stets der Gesellschaftsabend voraus: Bei dem traditionellen Grünkohlessen mit 250 Gästen wurden dieses Jahr Niko Schlump vom Milchhof Lucassen (Barßel/Kreis Cloppenburg) sowie das Team des Gartenbauunternehmens Friedhelm Leuchtenberger (Lingen-Brögbern/Kreis Emsland) als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Jahres ausgezeichnet.


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Stand: 25.11.2025