Nur Milchviehbetriebe profitieren von Volatilität der Märkte
Landwirtschaftskammer Niedersachsen präsentiert Ergebnisse des Wirtschaftsjahrs 2024/25 – Aktuelle Seuchengefahr verunsichert Betriebsleitungen und Beratung
Oldenburg – Die unvorhersehbaren Folgen der Vogelgrippe und der Afrikanischen Schweinepest sowie die Volatilität der Agrarmärkte stellen die landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen aktuell vor herausfordernden Aufgaben. „Die wirtschaftliche Situation der Haupterwerbsbetriebe in Niedersachsen lässt gerade nur wenig Optimismus zu“, berichtete Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), am Donnerstag (20.11.2025) auf der Kammerversammlung in Oldenburg. Dort ging der Kammerpräsident auf die Unternehmensergebnisse des abgelaufenen Wirtschaftsjahres 2024/25 ein.
Deutliche Gewinneinbußen in mehreren Sparten
Die Auswertung der rund 1.000 Bilanzen aus dem niedersächsischen Testbetriebsnetz weisen im Vergleich zum Vorjahr ein deutlich heterogenes Unternehmensergebnis aus: Während Marktfrucht-, Veredlungs- und Gemischtbetriebe deutliche Gewinneinbußen hinnehmen mussten, profitierten die Futterbaubetriebe (Milchviehbetriebe) umso deutlicher von den Marktschwankungen. „Nur die Milchviehbetriebe haben im zurückliegenden Wirtschaftsjahr ein Einkommensniveau erreicht, das eine ausreichende Eigenkapitalbildung zur Entwicklung der Betriebe ermöglicht hat“, fasste Schwetje diese Entwicklung zusammen.
Das Wirtschaftsjahr im Rückblick
Nach großen Problemen durch extreme Nässe mussten für die Ernte 2024 viele Flächen doppelt bestellt werden. Gleichwohl gingen dadurch die Erträge im zweiten Jahr in Folge zurück und lagen so deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Ackerbaubetriebe mussten bei Vermarktungspreisen auf Vorjahresniveau mit rückläufigen Umsätzen aus Getreide und Raps hinnehmen. Besser sah die Situation bei den Hackfrüchten aus: Hohe Erträge bei nur geringfügig gesunkenen Preisen haben für Kartoffeln und Zuckerrüben eine rentable Produktion möglich gemacht.
Im Milchwirtschaftsjahr 2024 haben sich die zuvor abgestürzten Preise deutlich erholt und genauso wie die Rindermast ein kostendeckendes Niveau erreicht. Die Preise für Ferkel und Mastschweine brachen dagegen deutlich ein. Die Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest führten zu strengen Transport- und Handelsbeschränkungen, die sowohl Vermarkter als auch Verbraucher verunsicherten. Der rückläufige Schweinefleischverzehr hat die Preise um 15 Prozent sinken lassen.
Nachdem die Vorjahre auf Grund der politischen Krisen durch extreme Steigerungen der Betriebsausgaben gekennzeichnet war, normalisierte sich die Kostensituation wieder.
Marktfruchtbetriebe unterschreiten Fünf-Jahres-Durchschnitt
Die stabilen Umsatzerlöse der Hackfruchtbetriebe konnten die deutlich geringeren Erlöse für Getreide und Raps nicht konsolidieren. Die Unternehmensergebnisse der Marktfruchtbetriebe sanken um 23 Prozent auf 77.500 Euro und somit auch unter das Fünf-Jahres-Ergebnis von 86.500 Euro.
Veredlungsbetriebe rentabel
Die Veredlungsbetriebe haben im abgelaufenen Wirtschaftsjahr mit einem Ergebnis von 96.900 Euro den Fünf-Jahres-Schnitt erreicht und somit einen Betrag erwirtschaftet, der den allgemeinen Rentabilitätsanforderungen gerecht wird. Aufgrund der positiven Marktentwick-lungen profitierten die Ferkelproduzenten im besonderen Maße.
Futterbau: Spitzenergebnis dank außergewöhnlicher Bedingungen
Umso erfreulicher – wenn auch nur von kurzer Dauer – ist die Situation der Futterbaubetriebe einzuschätzen. Die Milch- und Rindfleischproduzenten konnten 2024/25 mit einem Gewinn von 184.000 Euro ein Ausnahmeergebnis erzielen, welches von den kapitalintensiven Betrie-ben zum Abbau von Verbindlichkeiten und Investitions-Staus genutzt werden kann.
Was bleibt vom Gewinn?
Für den Durchschnittsbetrieb kommt für Krankenkasse, Alterskasse und Baraltenteil schnell ein Betrag von 20.000 Euro pro Jahr zusammen. Außerdem abzuziehen sind Steuerzahlungen und die für einen wettbewerbsfähigen Betrieb unumgänglichen Neuinvestitionen in Gebäude und Technik. Kammerpräsident Schwetje fasste die Situation so zusammen: „Die vorgestellten Unternehmensergebnisse stellen daher für den überwiegenden Teil der Betriebe keine angemessene Verzinsung für das eingesetzte Eigenkapital und die aufgewendete Arbeitszeit dar.“
Wenig Optimismus im laufenden Wirtschaftsjahr
Nach Schwetjes Angaben ist bereits heute ersichtlich, dass die Wirtschaftsergebnisse des laufenden Wirtschaftsjahres 2025/26 ebenfalls ernüchternd ausfallen dürften. Der Arbeit auf dem Acker stehen aktuell vielfach enttäuschende Erzeugerpreise gegenüber. Rückläufige Schweinepreise werden das Niveau der Veredlungsbetriebe voraussichtlich noch einmal sinken lassen. Nach dem Ausnahmejahr für die Futterbaubetriebe werden Milchpreise auf Normalniveau die Einkommen der Milcherzeugerinnen und Milcherzeuger wieder auf das Fünfjahresmittel sinken lassen.
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