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LSV Silomais, mittelfrühe Sorten – die Qual der Wahl

Das mittelfrühe Silomaissortiment stellt für die Mehrzahl der niedersächsischen Maisanbauer das richtige Portfolio dar. Es ist das wichtigste Reifesegment in weiten Teilen Norddeutschlands und liefert sowohl auf den verbreiteten Geestflächen als auch auf den lehmigen Standorten Südniedersachsens hohe Erträge bei guten und sicheren Qualitäten.

Die Anzahl der Prüforte im Rahmen der Landessortenversuche (LSV) und auch der Sortimentsumfang spiegeln die Bedeutung der Reifegruppe Mittelfrüh wider; in Niedersachsen wird der mittelfrühe LSV (S 230 – S 250) an insgesamt 11 Standorten (siehe Grafik) in allen vier Bodenklimaräumen geprüft. Das Sortiment umfasste in diesem Jahr 27 mehrjährig geprüfte Sorten, die um 12 Neuzüchtungen und 7 LSV-Aufsteiger aus den EU-Prüfungen ergänzt wurden. Um auf Basis der Regionalauswertungen eine Vergleichbarkeit der Reifegruppen zu ermöglichen, wurden darüber hinaus 2 Vergleichssorten aus der Reifegruppe mittelspät mitgeprüft.

Die LSV-Ergebnisse werden auf Ebene der Bodenklimaräume ein- und mehrjährig ausgewertet und bilden die Grundlage der Sortenempfehlungen (siehe Tabellen). Neben Landessortenversuchen aus angrenzenden Bundesländern im gleichen Bodenklimaraum werden hierbei auch Wertprüfungsergebnisse (Zulassungsprüfungen) und EU-Prüfungsdaten mit einbezogen. Somit stehen i.d.R. auch bei neu zugelassenen Sorten nach dem ersten LSV-Prüfjahr schon Daten aus drei Jahren zur Verfügung. 

Zur Erlangung einer Anbauempfehlung müssen je nach Nutzungsschwerpunkt festgelegte Ertrags- bzw. Qualitäts-Schwellenwerte erreicht werden. Für neu im LSV aufgenommene Sorten sind diese gegenüber mehrjährig geprüften nochmals erhöht, da mögliche positive Jahreseffekte im aktuellen Prüfjahr nie ganz ausgeschlossen werden können. Die Sortenempfehlungen der LWK Niedersachsen berücksichtigen auf diese Weise möglichst viele Einflussfaktoren und geben den Landwirten eine leistungs- und qualitätsorientierte Anbauempfehlung, die eine optimale Sortenwahl in der unüberschaubaren Vielzahl der am Markt erhältlichen Maissorten ermöglicht. Gleichzeitig sorgt das Vorprüfungssystem aus WP und EUP dafür, dass so gut wie jede interessante und leistungsfähige Sorte den Weg in die LSV-Prüfungen findet, so dass der Maisanbauer hier einen Überblick über die Topsorten des Marktes findet.

Bei der Sortenwahl sollten die Maisanbauer den Reifebereich ihrer auszuwählenden Maissorten mit Bedacht wählen, denn höhere Reifezahlen bedeuten nur dann höhere Erträge, wenn das standörtliche Klima und auch die tatsächlichen Witterungsbedingungen dies auch ermöglichen. Da es insbesondere in der Milchvieh- und Bullenfütterung auf gut ausgereiften Mais mit hohen Qualitäten ankommt, sollte auch die Abreife möglichst genau beachtet werden. Die Reifezahl gibt dabei indirekt an, welche Vegetationszeit (Temperatursumme) eine Sorte zum Erreichen der Silierreife (32% TS) benötigt. Sie wird im Rahmen der Zulassung auf Basis bundesweiter Versuchsdaten berechnet. Da die Sorten regional davon abweichend reagieren können, ist es ratsam, neben der Reifezahl im Sortenratgeber auch in der Spalte „Abreife“ das tatsächliche Reifeverhalten unter den niedersächsischen Bedingungen zu berücksichtigen. So gibt es S 230er Sorten mit sehr gutem Reifeverhalten (++), die in etwa so früh abreifen wie eine frühe Sorte mit S 220. Ebenso gibt es S 250er Sorten, welche eigentlich eher dem mittelspäten Sortiment zugeschrieben werden könnten (--) und für manchen Standort, besonders im nördlichen Niedersachsen, damit eindeutig zu spät sind. Um eine gute und sichere Stärkeeinlagerung zu gewährleisten, ist es entscheidend, dass die Silierreife regelmäßig bis Ende September erreicht wird. Eine optimale Kolbenausbildung hängt jedoch nicht nur von der optimalen Ausnutzung der theoretischen Vegetationszeit ab; gerade auf leichten Böden, und damit auf vielen Maisanbauflächen, kann die Wasserversorgung die Entwicklung der Bestände bestimmen und Erträge und Qualitäten begrenzen. Reicht die Wasserversorgung nicht bis zum Ende der Kolbenfüllungsphase, ergeben sich Qualitätseinbußen insbesondere in den Merkmalen Stärke- und Energiekonzentration. Daher kann es eine gute Strategie sein, auf leichten Böden rel. frühreife Sorten anzubauen, die von spätem Trockenstress nicht oder nicht so stark betroffen werden, da die Kolbenfüllung auch bedingt durch eine bei diesen Sorten frühere Blüte, bereits weiter fortgeschritten ist. Für manche Betriebe entstehen so möglicherweise mehrere Erntetermine, was jedoch nicht als Nachteil, sondern durchaus als Risikomanagement betrachtet werden sollte. Über die Reifegruppen hinweg können die Ertragsunterschiede anhand der in den LSV mitgeprüften Vergleichssorten abgeschätzt werden. Als solche Vergleichssorte wurde im LSV Silomais früh (siehe Ausgabe 45 LuF) die S 230er Sorte DKC 3327 mitgeprüft. Der Vergleich der regionalen Ergebnisse zeigt hierbei z.T. deutlich auf, dass die Ertragsmerkmale des mittelfrühen Sortiments nur wenig über dem Niveau der frühen Reifegruppe liegen.

Allgemein wird empfohlen, möglichst mehrere Sorten anzubauen und ca. 1/3 dieser pro Jahr zu wechseln, um am Züchtungsfortschritt teilzuhaben. Eine Sortenzusammenstellung aus Sorten mit offizieller Anbauempfehlung plus positiven betriebsindividuellen Erfahrungen bietet die größte Anbausicherheit. Auf diese Weise ist es auch möglich, auf einem Großteil der Anbaufläche die Vorzüge des Frühkaufs zu nutzen, da die nicht für den Austausch vorgesehenen Sorten schon früh geordert werden können. Gleichzeitig wird durch den Einsatz mehrerer Sorten das Anbaurisiko verringert, da verschiedene Sorten auf Witterungsextreme unterschiedlich reagieren können.

In Anbetracht dieser Aspekte bietet die große Sortenvielfalt des mittelfrühe LSV-Sortiment Silomais eine gute Möglichkeit, mehrere zum Standort und Nutzungsschwerpunkt passende Sorten auszuwählen. Die hier nach Qualitäts- und Ertragsmerkmalen erstellten Sortenempfehlungen sind vielfältig.

Empfehlungen für grasbetonte Fütterung

Für rinderhaltende Betriebe mit rel. hohem Grasanteil werden nur Sorten mit besonders hoher Energiedichte bei gleichzeitig guten Stärke- oder Energieerträgen empfohlen.

Für ganz Niedersachsen haben die Sorten DKC 3323 (S 230), Ludmilo (S 230), Plutor (S 240) und KWS Editio (S 250) eine Anbauempfehlung aufgrund ihrer qualitativen Eigenschaften erhalten. Für die Regionen Nord und West haben die Sorten Privat (S 240) und LG 32257 (S 230) eine Empfehlung erzielt, letztere auch für die Region Süd. Ebenfalls aufgrund sehr guter Qualitätsergebnisse haben die Sorten Already (S 250) und LG 31245 (S 240) für das südliche Niedersachsen eine Anbauempfehlung bekommen, letztere zusätzlich auch für die Regionen Ost und West. Für die Regionen Nord, Ost und West hat die Sorte Greatful (S 240) eine Empfehlung erzielt.

Mit übertreffen eines leicht erhöhten Schwellenwertes werden für den Westen die Sorten Javelo (S 250) und Angeleen (S 230) für den Probeanbau empfohlen, letztere erreichte dies auch für das südliche und östliche Niedersachsen.

Empfehlungen für maisbetonte Fütterung

Für Betriebe mit hohen Maisanteilen in der Fütterung steht die Energiekonzentration i.d.R. nicht ganz so deutlich im Vordergrund; Stärke- und Energieerträge jedoch schon, weshalb diese Parameter bei gleichzeitig nicht zu geringer Energiedichte ausschlaggebend für Anbauempfehlungen bei entsprechenden Betrieben sind.

Hier haben sich landesweit die Sorten P 83224 (S 240), ES Traveler (S 250) und DKC 3323 (S 230) sehr leistungsstark gezeigt und erhalten eine Anbauempfehlung.

Die Sorten SY Remco (S 250) und LG 32257 (S 230) haben in den Regionen Nord und Süd, letztere auch in der Region West eine Anbauempfehlung für maisbetont fütternde Betriebe erhalten. In der Region Ost haben die Sorten DKC 3418 (S 250) und Plutor (S 240) aufgrund ihrer guten Ergebnisse eine Anbauempfehlung bekommen, letztere erhielt diese auch in den Regionen Nord und West. Darüber hinaus zeigte sich im nördlichen Niedersachsen die Sorte LG 31272 (S 250) mit sehr guten Ergebnissen und wird hier ebenfalls für den Anbau empfohlen.

Aus der großen Gruppe der LSV-Aufstiegssorten, immerhin 19 Sorten, haben trotz höherer Empfehlungsschwelle 7 Sorten eine Anbauempfehlung erhalten.

Niedersachsenweit wird die stärkearme Sorte LG 31271 für den Einsatz in maisbetonten Rationen empfohlen; besonders interessant an dieser Sorte ist die Kombination aus rel. hoher Energiedichte mit deutlich unterdurchschnittlichem Stärkegehalt. Dies ermöglicht höhere Einsatzmengen ohne die maximal mögliche  Menge an pansenbeständiger Stärke zu überschreiten.

Außer im Süden wird auch die Sorte KWS Ribono (S 250) für den Probeanbau empfohlen. Eine Empfehlung für den Probeanbau im Bereich der Fütterung hat auch die Sorte Infernico (S 250) in den Regionen Nord, Süd und Ost erzielt. Für die Regionen Nord, Süd und West hat die stärkereiche Sorte LID 2662 C (S 230) eine Probeanbauempfehlung erhalten. Im nördlichen Niedersachsen hat mit DKC 3357 (S 230) eine weitere Sorte am Übergang zur frühen Reifegruppe eine Anbauempfehlung erhalten; die Sorte Javelo (S 250) wird in der Region West für den Probeanbau empfohlen. In den Regionen Süd und Ost hat auch die Sorte Eleganto (S 230) eine Empfehlung für den Probeanbau erhalten.

 

Empfehlungen für den Energiemaisanbau

Für die Energiemaisproduktion spielen die Merkmale Trockenmasseertrag und Biogasertrag die entscheidende Rolle. Die Qualitätsmerkmale Stärke- und Energiekonzentration stellen hingegen kein direktes Kriterium für die Bewertung der Biogaseignung dar.

Aus den Reihen der mehrjährig LSV-geprüften Sorten haben P 83224 (S 240), Agrolupo (S 250) und SY Remco (S 250) eine niedersachsenweite Anbauempfehlung erhalten. Für die Regionen Nord, Ost und West wird darüber hinaus die Sorte ES Traveler (S 250) empfohlen. In der Region Nord hat es des Weiteren die Sorte LG 31272 (S 250), und in den drei weiteren Regionen die Sorte DKC 3418 (S 250) in die Sortenempfehlungen geschafft.

Unter den Neuzulassungen haben landesweit die Sorten LG 31271 (S 250) und Impro (S 250) mit sehr hohen Erträgen für eine Probeanbauempfehlung überzeugen können; KWS Burano (S 250) schaffte dies im Norden, Süden und Westen. Infernico (S 250) wird für den Probeanbau im südlichen, und LID 2662 C (S 230) im nördlichen Niedersachsen empfohlen. Mit DKC 3357 steht eine weitere leistungsstarke Sorte zur Verfügung, welche in den Regionen Nord, Ost und West eine Empfehlung zum Probeanbau erlangt hat.

Die mehrjährigen Auswertungen des aktuellen LSV-Sortiments haben eine umfangreiche und differenzierte Sortenempfehlungen für die unterschiedlichen Nutzungsschwerpunkte und verschiedenen Regionen Niedersachsens ergeben.

Nach der Veröffentlichung der LSV-Ergebnisse der frühen und mittelfrühen Silomaissorten in der aktuellen und letzten Ausgabe stehen nun nur noch di Ergebnisse des mittelspäten Sortiments und die dazugehörigen Sortenempfehlungen aus. Diese sollen in der kommenden Ausgabe der LuF veröffentlicht werden. Auch die Ergebnisse und Sortenempfehlungen des LSV Körnermais sind für die kommende Ausgabe geplant, so dass dann auch Sorten mit Anbauempfehlungen in beiden Nutzungsrichtungen ersichtlich werden.

Karl Gerd Harms

LWK Niedersachsen

 


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
E-Mail:


Stand: 20.11.2025