Mittelspäte Maissorten für Niedersachsen
Mit der Reifegruppe mittelspät liegen die LSV-Ergebnisse und Sortenempfehlungen zum Silomais nun vollständig vor. Für günstige Lagen sind diese rel. spät abreifenden Sorten gut geeignet.
Die niedersächsischen Landwirte bauen heute, im Vergleich zu früheren Jahrzehnten, Maissorten mit späterer Abreife an, die gleichzeitig regelmäßig kalendarisch früher als damals geerntet werden können; hieraus wird deutlich, dass der Klimawandel Einzug hält. Für den Maisanbau in Niedersachsen ist dies ein Stück weit auch Chance, zumindest so lange ausreichend Wasser für die Kultur zur Verfügung steht, denn als C4-Pflanze kann dieser die höheren Temperaturen sehr effektiv in Massebildung und damit Ertrag umsetzen.
Ein Blick auf die Saat- und Erntetermine der LSV zeigt sowohl das Potential, als auch die Grenzen später Sorten auf. Hierbei gilt für die Standorteignung einer Reifegruppe nach wie vor, dass Silomais die Silierreife im Durchschnitt der Jahre zur Monatswende September/Oktober erreicht haben sollte, da bei späterem Erreichen der erforderlichen TS-Gehalte bereits die Qualität (insb. Energiedichte) des Ernteguts niedriger ausfällt. An den LSV-Prüforten der Reifegruppe mittelspät brauchten diese Sorten i.d.R. eine Woche länger als mittelfrühe Sorten, um die Silierreife zu erreichen (bei gleichem Saattermin). Die Aussaat erfolgte dabei an allen Standorten erst in der dritten Aprildekade. Dank der über den Sommer warmen Witterung wurde die für die Abreife notwendige Temperatursumme früh erreicht, so dass auch die mittelspäten LSV alle noch im September geerntet werden konnten; hierbei wurden TS-Gehalte von jeweils im Mittel 34% – 40% gemessen. Die mit Abstand höchsten Werte erreichte dabei der bereits am 09. September gehäckselte Versuch am Standort Celle, da hier trotz später Beregnung gegen Ende August die Trockenheit die Abreife deutlich beschleunigte. Mittelfrühe Sorten wurden hier 5 Tage früher geerntet und hatten dabei noch TS-Gehalte im Bereich des Erntefensters bei gleichzeitig ca. 3 % höheren Stärkegehalten als die mittelspäte Reifegruppe. Dies zeigt deutlich den Einfluss des Wassermangels und damit auch ein Risiko spät abreifender Sorten. Ertraglich hatte dieser „leichte“ Wassermangel zum Ende der Kolbenfüllung noch keine gravierenden Auswirkungen. Über alle Prüforte des mittelspäten Sortiments betrachtet erreichte dieses im Durchschnitt 3 % mehr Trockenmasseertrag als das mittelfrühe Prüfsortiment.
Anhand der Erntetermine wird deutlich, dass Sorten der mittelspäten Reifegruppe in vielen Regionen sicher abreifen und somit anbauwürdig sind. Die Anbausicherheit steigt auf Standorten, die bereits ab ca. Mitte April bestellt werden können noch ein wenig an.
Im nördlichen Niedersachsen werden jedoch keine mittelspäten Sorten für den Anbau empfohlen, da diese hier i.d.R. keine Mehrerträge gegenüber frühreiferen Sorten erreichen und das Qualitätsniveau unter der späten Abreife leidet. Gleichzeitig steigt mit zunehmender nördlicher Breite das Ernterisiko teils erheblich, da die Silierreife zu häufig erst im Oktober erreicht werden würde und die Befahrbarkeit der Böden zu dieser Zeit mitunter bereits deutlich abgenommen hat. So geschehen auch in diesem Jahr, denn die zwei mittelfrühen LSV in der Region Nord erreichten hier erst gegen Ende September die Silierreife.
In den anderen, weiter südlich gelegenen, Bodenklimaräumen erreichen heute auch mittelspäte Sorten bei normalen Aussaatterminen die Silierreife problemlos bis Anfang Oktober und können bei gesicherter Wasserversorgung gut eingesetzt werden. Ausnahmen bildet der Anbau von Mais als Zweitfrucht sowie ausgesprochen spätfrostgefährdete Lagen (späte Aussaat) sowie Höhenlagen.
Die Sortenempfehlungen werden für die mittelspäten Sorten analog zum Vorgehen in den Reifegruppen früh und mittelfrüh erstellt. Auf Ebene der Bodenklimaräume werden die vorhandenen LSV-, Wert- und EU-Prüfungsergebnisse in einem speziell für Sortenversuche entwickelten Verfahren mehrjährig ausgewertet. Die Ergebnisse dieser regionalen „Verrechnung“ finden sich in den hier abgedruckten Tabellen, sowohl mit ein- als auch mehrjährigen Ergebnissen.
Je nach Nutzungsschwerpunkt werden die Ergebnisse unterschiedlich bewertet, wobei in den jeweils wichtigsten Merkmalen überdurchschnittliche Leistungen für eine Anbauempfehlung erreicht werden müssen. Für eine Empfehlung zum Probeanbau nach nur einem LSV-Prüfjahr müssen dabei höhere Grenzen erreicht werden.
Region Süd
Für die günstigen Lagen des südlichen Niedersachsens werden, je nach Nutzungsschwerpunkt, verschiedene Maissorten empfohlen.
Zur Aufwertung grasbetonter Grundfutterrationen haben die Sorten Justy (S 260), Farmirage (S 260), Bismark (S 260) und Farmoritz (S 260) eine Anbauempfehlung erhalten; alle vier haben einen hohen Kolbenanteil und sind stärke- und energiereiche Sorten.
Bei maisbetonter Grundfutterbasis ist nicht die Energiedichte von größter Bedeutung, sondern Stärke- und Energieertrag rücken in den Fokus. Gleichzeitig soll die Energiedichte jedoch mindestens ein durchschnittliches Niveau haben.
Unter diesen Maßgaben haben die Sorten Ladino (S 260), SY Amfora (S 260), SU Crumber (S 270), EC Gisella (ca. S 260), Janeen (S 260), Farmirage (S 260) und Smartboxx (S 260) eine Anbauempfehlung erhalten; die zwei erstgenannten erzielten im südlichen Niedersachsen auch überdurchschnittliche Energieerträge.
Die vier neu im LSV aufgenommenen Sorten, allesamt EU-Aufsteiger, haben keine Empfehlungen für die Fütterung erzielen können.
Für die Biogasnutzung haben die Sorten Ladino (S 260), KWS Monumento (S 260), LG 31304 (S 260), KWS Berro (S 260) und SY Amfora (S 260) eine Anbauempfehlung erzielt. Maßgeblich hierfür sind sehr hohe Trockenmasse- bzw. Biogaserträge; beide müssen miteinander einhergehen, keins der beiden Parameter darf für eine Empfehlung unterdurchschnittlich ausfallen.
Region Ost
Für das östliche Niedersachsen, geprägt von leichten Böden und nicht selten auch beregneten Maisanbauflächen, werden die qualitätsbetonten Sorten Justy (S 260), Lacorna (S 260) und Farmoritz (S 260) für die Ergänzung einer grasreichen Fütterung empfohlen.
Für maisbetonte Rationen haben die Sorten Ladino (S 260), KWS Monumento (S 260), SY Amfora (S 260), SU Crumber (S 270), EC Gisella (ca. S 260), Justy (S 260) und Farmirage (S 260) eine Anbauempfehlung bekommen.
Sorten mit Anbauempfehlung für die Biogasproduktion sind in dieser Region Ladino (S 260), KWS Monumento (S 260), KWS Berro (S 260), Clementeen (S 270) und SU Crumber (S 270).
Für den Probeanbau hat die Sorte Blandeen (S 260) eine Empfehlung erhalten.
Region West
Bei grasbetonter Rationsgestaltung werden für das westliche Niedersachsen aus dem mittelspäten Reifesegment die Sorten Justy (S 260), Farmirage (S 260), Lacorna (S 260) Bismark (S 260) und Farmoritz (S 260) für den Anbau empfohlen.
Für maisbetont fütternde Betriebe haben hier die Sorten SY Amfora (S 260), SU Crumber (S 270), EC Gisella (ca. S 260), Justy (S 260), Farmirage (S 260) und Smartboxx (S 260) eine Anbauempfehlung erhalten.
Im Bereich Biogasproduktion haben aufgrund überzeugender Trockenmasse- und Biogaserträge die Sorten Ladino (S 260), KWS Monumento (S 260) und SU Crumber (S 270) eine Anbauempfehlung bekommen.
Für den Probeanbau hat die Sorte Blandeen (S 260) eine Empfehlung erreicht.
Bei der genaueren Betrachtung des Prüfsortiments fällt aktuell sehr deutlich auf, dass fast ausschließlich Sorten der Reifezahl S 260 geprüft werden. Dies ist kein forciertes Ergebnis der Sortimentsplanung, sondern geht auf die Neuzulassungen und EU-geprüften Sorten der letzten Jahre zurück, die kaum spätere Sorten hervorbrachten. Gleichzeitig haben die heute vorhandenen Sorten die spätreiferen Sorten durch höhere Erträge verdrängt, denn eine „Nichtempfehlung“ führt ab dem zweiten Prüfjahr im LSV zum Prüfungsende einer Sorte.
Die Reifegruppe „mittelspät“ hat in Norddeutschland erst durch den Biogasboom eine gewisse Anbaubedeutung erlangt. Eine mittlerweile spürbare bzw. messbare Zunahme der Temperatursumme im Zeitraum Mai bis September macht den Anbau dieser Sorten möglich und, je nach Betrieb und Standort auch sinnvoll. Die aus der Maiszüchtung lange angekündigten „reinen Biogassorten“ sind jedoch nie wirklich gezüchtet worden; ausgeprägte Massetypen mit großem Habitus, wie heute in allen Reifegruppen zu finden, jedoch schon. Bei diesen wurde gleichzeitig auch auf Kolbenleistung, also Kornertrag, gesetzt, weshalb heutige Körnermaissorten häufig nicht mehr so aussehen, wie klassisch kompakte Druschsorten von früher. Die schlussendliche Nutzung des Maises entscheidet sich heute nicht selten erst zur Ernte, weshalb in den letzten Jahren und Jahrzehnten flexible Doppelnutzungssorten immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Dieser Trend wird sich angesichts des sich abzeichnenden geringeren Silomaisbedarfs vermutlich weiter fortsetzen, da politische Einschränkungen wie der Maisdeckel oder gar die Aufgabe ganzer Biogasanlagen dies unausweichlich machen. In vielen Betrieben wird der Drusch wieder eine größere Bedeutung erlangen, ob klassisch als getrockneter Körnermais, oder als feuchte Ware in Form von CCM oder Feuchtmais. Diese werden schon heute als Kraftfutterkomponente gehandelt und direkt zu den Endkunden, häufig Milchviehbetriebe, geliefert und dort angesäuert eingelagert; gleiches ist auch in Form von LKS (Lieschkolbensilage) möglich. Durch die verschiedenen Nutzungs- und Vermarktungsmöglichkeiten des Maises steigt die Nachfrage nach flexiblen Sorten spürbar an. Die Sortenempfehlungen der LWK Niedersachsen weisen in der Übersicht „Doppelnutzungssorten“ (im Körnermaisartikel in dieser Ausgabe) die Sorten aus, die in beiden Nutzungsrichtungen LSV-geprüft sind und Anbauempfehlungen erhalten haben.
Karl Gerd Harms
LWK Niedersachsen

