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Getreide- und Ölsaatenmarkt: USDA-Bericht November 2025

Das Warten ist vorbei: Der jüngste Shut-Down des US-Haushalts hat in den vergangenen Wochen für erhebliche Unsicherheit am internationalen Getreidemarkt gesorgt. Denn im Oktober blieb der wichtige monatliche Bericht zur globalen Angebots- und Nachfragesituation aus – eine Orientierungshilfe, die den Marktteilnehmern an den Börsen fehlte. Nun liegt der aktuelle Bericht vor und verspricht Klarheit: Wie entwickeln sich die weltweiten Produktions- und Verbrauchszahlen für Weizen, Mais und Soja? Im Vorfeld rechneten Analysten mit Aufwärtskorrekturen der Weizenernten in Kanada, Argentinien, Australien und Russland, was höhere Endbestände erwarten lässt. Beim Mais standen sinkende Ertragserwartungen in den USA im Raum, während die Sojabohnenbestände leicht steigen sollten. Im folgenden Beitrag zeigen wir, ob diese Prognosen eingetroffen sind – und welche Auswirkungen dies auf die Kursentwicklung an den Börsen hatte.

Globale Weizenbilanz im aktuellen Bericht:

Der jüngste Bericht des US-Agrarministeriums signalisiert eine deutliche Ausweitung der weltweiten Weizenversorgung. Auf globaler Ebene wird mit größeren Vorräten, höherem Verbrauch, mehr Handel und steigenden Endbeständen gerechnet. Besonders bei den führenden Exporteuren – Kasachstan, Argentinien, der EU, den USA, Australien, Russland und Kanada – wurden die Produktionsprognosen nach oben korrigiert.

Die Weltweizenproduktion steigt gegenüber dem September-Bericht um mehr als 12 Mio. t auf 828,89 Mio. t und übertrifft damit die Vorjahresmenge um rund 28 Mio. t. Parallel dazu wird der globale Verbrauch um 4,3 Mio. t auf 818,9 Mio. t angehoben, vor allem aufgrund einer höheren Futter- und industriellen Nutzung in Russland, Kasachstan und der EU. Auffällig ist dabei, dass die globale Produktion erstmalig seit dem Wirtschaftsjahr 2019/20 wieder deutlich über dem Verbrauch liegt.

Auch der internationale Handel legt zu: Mit einem Plus von 2,5 Mio. t erreicht er 217,2 Mio. t, getragen von größeren Exportmengen aus Argentinien, Australien und Kasachstan, die nur teilweise durch geringere Ausfuhren aus Russland ausgeglichen werden.

Die Endbestände für 2025/26 steigen um 7,4 Mio. t auf 271,4 Mio. t und liegen damit rund 10 Mio. t über dem Vorjahr. Damit wird annähernd das Niveau des Wirtschaftsjahres 2023/24 wieder erreicht. Bemerkenswert ist, dass die Endbestände in China auf den geringsten Stand seit 2016/17 fallen. Ohne China belaufen sich die Endbestände auf 146,65 Mio. t nach 133,66 Mio. t im Vorjahr.

Reaktionen an der Börse: Nach der Veröffentlichung des Berichtes rutschten die Börsenkurse an der Euronext ins Minus. Im Tiefpunkt fiel der Dezember-Kontrakt auf 188 EUR/t. Deutlichere Verluste wurden an der US-Börse verbucht. Der Frontmonat fiel auf 524,50 ct/bu zurück. Im Laufe der Woche setzten jedoch aufgrund von Shortglattstellungen und technischem Handel Erholungstendenzen ein. Der Schlusskurs an der CBoT lag am 18.11.2025 bei 546,50 ct/bu. Zum Start in die neue Woche landete der Dezember-Kontrakt an der Matif bei 189,75 EUR/t. Dieser Kontrakt verlässt am 10. Dezember das Handelsparkett. Der März-Termin übernimmt dann die Rolle des Frontmonats.

Globale Maisbilanz im aktuellen Bericht:

Die weltweite Maisproduktion wird im aktuellen Bericht deutlich höher prognostiziert und erreicht 1,286 Mrd. t nach 1,230 Mrd. t im Vorjahr. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind die USA, deren Produktionsprognose auf 425,5 Mio. t steigt – gegenüber 378,3 Mio. t in der letzten Saison. Im Monatsvergleich ergeben sich zusätzliche Zuwächse in Mexiko und der EU: In Mexiko wurde die Anbaufläche ausgeweitet, während in der EU vor allem die Erwartungen für Frankreich angehoben wurden. Für Deutschland hingegen wurde die Prognose reduziert. Insgesamt liegt die erwartete EU-Maisernte für das aktuelle Wirtschaftsjahr nun bei 55,75 Mio. t nach 59 Mio. t im Vorjahr.

Der globale Verbrauch steigt weiter an und erreicht 1,296 Mrd. t, verglichen mit 1,254 Mrd. t im Vorjahr und 1,289 Mrd. t im September-Bericht.

Im internationalen Handel werden höhere Maisexporte aus den USA und Südafrika erwartet, während die Ausfuhren der Ukraine zurückgehen. Auf der Importseite erhöhen sich die Mengen für Iran, Ägypten, Venezuela und das Vereinigte Königreich, während die Prognosen für China, die EU und Thailand gesenkt werden.

Die globalen Endbestände an Mais werden leicht nach unten korrigiert und liegen nun bei 281,3 Mio. t – ein geringfügiger Rückgang gegenüber dem September-Bericht, aber ein deutliches Minus von rund 10 Mio. t im Jahresvergleich. Hauptursache ist ein Bestandsabbau in China, der nur teilweise durch Zuwächse in Argentinien, Mexiko und der Ukraine kompensiert wird.

Reaktionen an der Börse: Der Frontmonat an der Pariser Börse rutschte nach der Veröffentlichung auf 189 EUR/t zurück. Kletterte aber zuletzt wieder auf 191,50 EUR/t. In Chicago gaben die Maiskurse ebenfalls leicht nach. Dezember-Mais erreichte zuletzt jedoch wieder 436,75 ct/bu.

Globale Ölsaatenbilanz im aktuellen Bericht:

Die Prognose für die weltweite Ölsaatenproduktion wird im aktuellen Bericht nach unten korrigiert, vor allem aufgrund geringerer Erträge bei Sojabohnen und Sonnenblumen, die nur teilweise durch höhere Mengen bei Rapssaat und Baumwollsaat ausgeglichen werden.

Die Sojabohnenproduktion sinkt gegenüber dem Vormonat um 4,1 Mio. t, bedingt durch niedrigere Erträge in den USA, der Ukraine und Indien. Auch die Sonnenblumenproduktion wird um 1 Mio. t reduziert – vor allem aufgrund schwächerer Erträge in der Ukraine, Russland, der EU und der Türkei. Im Gegensatz dazu steigt die Rapssaatproduktion um 1,3 Mio. t, getragen von höheren Erträgen in der EU, Australien, der Ukraine und dem Vereinigten Königreich.

Für Sojabohnen ergibt sich eine globale Angebots- und Nachfragebilanz mit niedrigeren Anfangsbeständen und Produktion, reduzierter Verarbeitung, leicht höheren Exporten und sinkenden Endbeständen. Die Verarbeitung wird um 1,7 Mio. t auf 365 Mio. t reduziert – vor allem in Indien und Argentinien, während Brasilien seine Verarbeitung um 1 Mio. t auf 59 Mio. t erhöht. Die Exporte steigen leicht auf 188 Mio. t, getragen von höheren Lieferungen aus Brasilien (+0,5 Mio. t) und Argentinien (+2,3 Mio. t), die die Rückgänge aus den USA und der Ukraine kompensieren. Die Endbestände sinken um 2 Mio. t auf 122 Mio. t, mit Rückgängen in den meisten Exportländern, teilweise ausgeglichen durch höhere Bestände in China.

Die Rapssaatproduktion erreicht in der Saison 2025/26 92,3 Mio. t – ein Plus von 7,3 % gegenüber dem Vorjahr. Die EU-Ernte wird auf 20,2 Mio. t geschätzt (Vorjahr: 16,8 Mio. t), während auch Kanada, Australien, China und Indien höhere Mengen erwarten. Dem steht ein Verbrauch von 90,5 Mio. t gegenüber. Die globalen Vorräte steigen von 9,8 Mio. t auf 11,3 Mio. t, während die EU-Lagerbestände leicht um rund 200.000 t auf knapp 2,1 Mio. t sinken.

Reaktionen an der Börse: Nach der Veröffentlichung des USDA-Berichtes rutschten die Sojabohnen auf 1.112,75 ct/bu und Raps gab auf 479 EUR/t nach. Die US-Sojakäufe Chinas und die Hoffnung auf weitere Handelsgeschäfte der beiden Großmächte sorgten an den Folgetagen jedoch wieder für Auftrieb auf 1.157,25 ct/bu bzw. 485 EUR/t (18.11.).

WJ 2025/26 USDA November 2025 Erwartungen USDA September 2025
Weizen

Weltendbestände 25/26 (Mio. t)

271,4 (+)

266,1

264,1

US-Endbestände 25/26 (bn bu)

0,901 (+)

0,867

0,844

Mais

Weltendbestände 25/26 (Mio. t)

281,3 (-)

282,8

281,4

US-Endbestände 25/26 (bn bu)

2,15 (+)

2,14

2,11

Soja

Weltendbestände 25/26 (Mio. t)

121,99 (-)

124,2

124

US-Endbestände 25/26 (bn bu)

0,290 (-)

0,304

0,300

(-) unter Erwartungen
(+) über Erwartungen

Quelle: USDA/BQCI


Kontakt:
Stephanie Stöver-Cordes
Fachreferentin Marktanalyse, Marktberichterstattung
Telefon: 0441 801-351
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Stand: 25.11.2025